Main Ground Combat System – Einigung über industriellen Lead

European Main Battle Tank – Panzerstudie von KNDS für die Rüstungsmesse Eurosatory 2018 in Paris – Foto: Screenshot KNDS-Werbevideo

Im zähen Ringen um den industriellen Lead beim deutsch-französischen Panzervorhaben Main Ground Combat System (MGCS) zeichnet sich eine Einigung ab. Ein Sprecher von Rheinmetall gegenüber dem Autor: „Wir sind auf dem Weg, neun Arbeitspakete für Konzeptstudien zu definieren, von denen je drei an Rheinmetall, KMW und Nexter gehen werden.“ Laut Rheinmetall beträgt der Kostenrahmen für diese ersten Konzeptarbeiten circa 30 Millionen Euro. Gesteuert werden soll das MGCS Vorhaben von einem 18-köpfigen „Combat Project Team“, indem die deutsche Seite die Führung hat, heißt es in der französischen Presse. Die FAZ hatte gestern als Erstes über eine Einigung berichtet. So ist auch der ehrgeizige Plan von Rheinmetall Chef Armin Papperger vom Tisch, der die Mehrheit an der KMW-Nexter Holding KNDS übernehmen wollte. In der noch zu gründenden MGCS-Projektgesellschaft soll Nexter 50 Prozent, KMW und Rheinmetall je 25 Prozent erhalten, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Paywall). Das Verteidigungsministerium wollte auf Anfrage nicht Stellung nehmen.

„Solidarity Transport Hub“ – Wie Polen die Infrastruktur der NATO-Ostflanke stärken möchte.

Beim weiten Thema „Ausbau militärischer Infrastruktur an der NATO Ostflanke“, findet in Deutschland vor allem Beachtung, wenn scheinbar der Verlust hiesiger US-Militäreinrichtungen nach Osteuropa respektive Polen droht – siehe die Drohungen von US-Präsident Donald Trump. Kaum verfolgt werden dagegen die Infrastruktur-Projekte der Partnerstaaten in Osteuropa selbst. So warb Polen auf dem Warsaw Security Forum für seine ambitionierte Agenda eines „Solidarity Transport Hub’s“ (STH).

Beim STH ist ein, 40 Kilometer süd-westlich von Warschau gelegenes, Flugdrehkreuz für zunächst 45 Millionen Passagiere vorgesehen. Der Riesen-Flughafen soll in ein dichtes Schienennetz von 1000 Kilometern Bahnschiene eingebettet werden – zwischen Westeuropa und den Ostgrenzen. Die Kosten laut polnischer Regierung: Bis zu 16 Milliarden Euro. Das Flugdrehkreuz als Herz des Projekts soll bis 2027 gebaut werden. Die militärischen Vorteile des Vorhabens laut polnischer Darstellung: Der Flughafen sei ein Sprungbrett für rasche Truppenverlegungen bei potenziellen russischen Angriffen. Ein dichtes Schiennetz erlaube die schnelle Zuführung größerer Truppenverbände. Als Nachschubweg sei es außerdem widerstandsfähiger gegen Unterbrechungen durch gegnerische Angriffe.

US Army soldiers unloading M1A2 Abrams tanks during Combined Resolve III
US-Soldaten trainieren das Abladen von Abrams-Panzern während der Übung Combined Resolve III 2014 in Europa – Foto: US Army / Medien-Freigabe

Aus polnischer Perspektive berücksichtigen die EU-Maßnahmen zum Aufbau eines Trans-European Transport Network (TEN-T) zu wenig die militärischen Erfordernisse. Der Ausbau von Haupttrassen zum raschen Warentransport sei militärisch nicht ausreichend. „Nur ein engmaschiges Schienennetz ermöglicht es, NATO Truppen in potenzielle Einsatzräume zu verteilen“, so Mikołaj Wild, Staatssekretär im Infrastruktur-Ministerium Polens auf dem Warsaw Security Forum. Ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz an den europäischen Ostgrenzen sei essenziell, um Russland glaubhaft von ‚fait accompli Attacken‘ abzuschrecken, so Ben Hodges, Generalleutnant a. D. und Ex-Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa. Auf das Straßennetz für rasche Entsendungen zu setzen, sei ein Trugschluss, meinte Hodges in Warschau. Truppen-Verlegungen müssten in so raschen Reaktionszeiten erfolgen, dass ein Freimachen der Straßen für das Militär unrealistisch sei. Hodges: „Panzer und anderes schweres Gerät müssen unter Friedensbedingungen durch Berufsverkehr und Touristen verlegt werden.“ Laut Hodges gelang es der US-Armee beispielsweise nicht, Panzer mit Schwerlasttransportern durch die Karpaten von Polen nach Rumänien zu verlegen. (Nebenbei sei erwähnt: Die Entscheidungshoheit des Bundestages zu Einsätzen der Bundeswehr war für Hodges wie einige andere Redner in Warschau liebstes Beispiel, wenn es um vermeintlichen Ballast in Sachen „Speed of Decision“ bei NATO-Truppenverlegungen ging).

Aus deutscher Sicht ist nicht nur die militärische Dimension des Solidarity Transport Hub interessant, sondern vor allem die geo-ökonomische. Denn das Vorhaben zielt zuvorderst auf eine wirtschaftliche Stärkung Polens. Dessen Regierung betrachtet den STH als Teil der „Drei-Meere-Initiative“. Von Polen 2015 mitangestoßen, zielt diese Plattform aus Staaten Mitteleuropas darauf ab, dortige Energieinteressen zu bündeln und in der EU durchzusetzen (Bsp.: Mehr LNG statt russisches Gas). Deutschland wirbt seit vergangenen Jahr darum, Mitglied der Initiative zu werden; was Polen’s Regierung kritisch sieht. Verständlich betrachtet man die Querelen um die Gaspipeline Nordstream II. Bei geo-ökonomischen Fragen gilt Deutschland in Polen nicht als konstruktiver Partner. Diese Wahrnehmung Warschaus zeigt sich auch beim Vorhaben Solidarity Transport Hub.

Polen möchte mit dem Flugdrehkreuz eine internationale Fluggesellschaft aufbauen, welche über den Hub die Passagiere Mitteleuropas für Asien einsammelt und verteilt. Wegen der unterentwickelten Zubringerstruktur bei Schienen und Straßen, wäre es vor allem für Osteuropäer bis jetzt einfacher, weiter entfernte westliche Flugdrehkreuze wie Frankfurt zu nutzen. Jacek Bartosiak, bis vor kurzem CEO der Solidarity Transport Hub Projektgesellschaft: „Von Ostpolen bis Stettin brauchen sie zurzeit noch 10 Stunden mit dem Zug; genauso lange wie mit dem Flugzeug von Warschau nach Seoul.“ So schöpfen vor allem etablierte westliche Fluggesellschaften wie die deutsche Lufthansa den internationalen Fluggastverkehr aus Ost/Mitteleuropa ab. Hinzu komme, so Polens Infrastruktur-Staatssekretär Wild in Warschau, dass die Konkurrenz der westlichen Billigfluggesellschaften die meisten nationalen Fluggesellschaften in Osteuropa eliminiert hätte. Diese ökonomische Unwucht soll das Vorhaben Solidarity Transport Hub beseitigen. Allerdings kann Polen das ambitionierte Vorhaben nicht alleine stemmen und braucht Investoren, die bis dato noch fehlen, wie auf dem Warsaw Security Forum deutlich wurde. Nach polnischen Regierungsangaben hat Großbritannien seine Bereitschaft signalisiert, mit einem Kredit von 100 Millionen Pfund in das Flughafendrehkreuz investieren zu wollen. Zudem gibt es laut Medienberichten Interesse auf Seiten Südkoreas.

Mehr zur ökonomischen Dimension des Solidarity Transport Hub in diesem Beitrag des WELT-Kollegen Philipp Fritz: „Polen darf keine Provinz sein!“

Future Combat Air System: the project management structure

To handle the Future Combat Air System (FCAS) undertaking, the following project management structure is envisaged: In October a so called combined project team (CPT) should start its work in Paris (France is the FCAS lead nation). This CPT consists of a program division and an operational division.

Next Generation Fighter Mockup of the FCAS at the Air Show in Le Bourget 2019 – photo: JohnNewton8 / Creative Commons Licence

Task of the first-mentioned is to manage the technical and administrative aspects of the FCAS – e. g. technology-assessment, processing of contracts, finance- and risk management. The operational division is the place for the armed forces of the projcet states (France, Germany, Spain) to bring in line their demands to the Future Combat Air System – also by consultation of experts. For solving constroversies there should be a special steering commitee within the CPT. According to the German MoD a high level coordination board is foreseen for „project overlapping aspects“ (I’m trying to figure out more precisely what that means…). Finally there will be a steering commitee – staffed with the armament state secretaries – which is responsible for strategic-political decisions in front of the CPT management core. „With the industry there will be a continuous coordination on all levels of this project management structure“ a spokesperson of the German ministry of defense told the author. Beside the FCAS project with Germany and Spain, France is also pursuing a progam named „Future Combat Air System / Technological Demonstration Cooperation“ with Great Britain. This undertaking is focused on unpiloted aerial vehicle technology, basing on the drone projects of its main industry partners – BAE’s TARANIS and Dassault’s NEURON.