Dreimal ISIS

Hier mal drei aktuelle Berichte im Kontext ISIS, die aus meiner Sicht besonders erwähnenswert sind: Auf Defense One berichtet Paul Stronski vom Überlaufen des von den Amerikanern ausgebildeten Chefs der Sondereinsatzkräfte Tadschikistans, Gumurud Halimov zum ISIS.

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Heute Terroristen, bald aber Staatsmänner? – Der ISIS 2014 beim Niederreißen von Grenzanlagen zwischen Syrien und dem Irak  – Foto: Karl-Ludwig Poggemann / CC-Lizenz

Das Ganze passierte schon im April diesen Jahres, kam als Nachricht in Deutschland aber nicht richtig an. Nach dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, liegt Zentralasien hierzulande längst wieder im Abseits. Dabei wirft der Fall Halimov erneut ein Schlaglicht darauf, wie kläglich die westliche Ertüchtigunsstrategie in Failing States versagt und wie wenig von „Lessons learned“ die Rede sein kann. Selbst nach dem Verschwinden des in den USA ausgebildeten Elite-Militärs Halimov liefern die Amerikaner Tadschikistan weiter Militärmaterial, augenscheinlich ohne jegliche Konditionierung, wie Stronski berichtet. Das despotische Rahmon-Regime in Duschanbe wiederum nutzt den Halimov-Fall, um sich der „islamistischen“ Opposition zu entledigen. Damit kündigt die Regierung de facto den 1997 geschlossenen Machtteilungspakt mit der Opposition. Dieser beendete damals einen fünfjährigen Bürgerkrieg und brachte dem ärmsten Land Zentralasiens immerhin ein wenig Stabilität. 

Prinzip „Ausreisen lassen und vor Ort vernichten“

Die, gelinde gesagt, besondere Strategie Russlands gegen Islamisten im Kaukasus beleuchtet der Beitrag „Caucasian Jihad“ im Economist. Während man im Westen neben militärischer Bekämpfung des Islamismus/ISIS sich auch am Aufbau von Resilienz versucht, setzt Russland auf das Prinzip „Ausreisen lassen und vor Ort vernichten“. Der Bericht im Economist legt nahe, dass russische Behörden junge Islamisten beim Auszug gen Islamischer Staat geradezu unterstützen. Parallel dazu werden die Gegner des IS vor Ort, vor allem das Assad-Regime, mit Waffen versorgt. 

Wenn der Islamische Staat siegt

Und zu guter Letzt das Beste, was ich zum Thema ISIS bis dato gelesen habe: Stephen Walts Ausblick „What should we do if the Islamic State wins?“ auf Foreign Policy. Zur Klärung: Walt meint hier keinen absoluten Sieg des ISIS gegen seine Gegner, sondern mehr dessen schleichende Etablierung in Folge des Versagens der Anti-ISIS-Allianz. Sprich: Der Islamische Staat wird zum anerkannten Mitglied der Staatengemeinschaft. Walt vergleicht die Entwicklungspotenziale des ISIS mit den historischen Herausbildung der Staaten des Westens und zeigt überzeugend, dass eine Etablierung des Islamischen Staates nicht so abwegig ist, wie noch allgemein angenommen wird.

Die Rache der Scheichs – Riad investiert groß bei Washingtons Feind Nr. 1

Interessanter Schachzug der Saudis: Diese planen 10 Milliarden US-Dollar an Direktinvestitionen in die russische Wirtschaft zu pumpen; während ihre Schutzmacht USA wegen des Ukraine-Konflikt Moskau mit Sanktionen belegt und in ihrer neuen Sicherheitsstrategie wieder zum Feind Nr. 1 erklärt. Ein Affront gegen Washington und ein ungewöhnliches Entgegenkommen gegenüber einem ökonomischen Konkurrenten beim Export von Energieträgern. Erklären lässt sich die Annäherung Moskau-Riad mit der massiven Verärgerung der Saudis darüber, dass die USA einen Ausgleich mit ihrem Hauptkonkurrenten in der Region, dem Iran, suchen. 

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Die Russen sind ok – Der jetzige Saudi-König und damalige Gouverneur von Riad, Salman bin Abdulaziz, mit Vladimir Putin 2007 – Foto: Wikimedia / CC-Lizenz

Ausgleich des Westens mit dem Iran ängstigt die Golfherrscher

Der jetzt zustande gekommene Atomdeal zwischen dem Westen und dem Iran bedeutet de facto, dass der bisher als Paria ausgegrenzte Iran, von den Westmächten als Regionalmacht im Nahen- und Mittleren Osten anerkannt wird. Als sich im Mai ein Erfolg der Verhandlungen abzeichnete, drängten die Golf-Monarchien auf einen formellen militärischen Beistandspakt mit den USA. Weiterlesen

Festivalzeit ist Werbezeit für Russlands Streitkräfte

Was in Deutschland undenkbar wäre, ist für Russlands Armee kein Problem: Auf dem Nashestvie Festival, einem Art „Rock am Ring“ Russlands, zeigt sie mit Panzern und Haubitzen Präsenz und macht Werbung in eigener Sache. Ein Bericht hierzu auf ARTE: