Lange galten Landminen bei modernen Armeen als Kampfmittel von gestern – gerade noch gut genug für die Kriegsführung von Dritte-Welt-Staaten. Doch der Konflikt mit Russland macht sie für das Militär des Westens wieder zur Waffe der Wahl.
In der öffentlichen Wahrnehmung sind jedoch gerade Landminen ein Symbol besonders heimtückischer Kriegsführung, weil sie meist nicht zu erkennen sind. Vor allem Dritte-Welt-Staaten setzten dieses Kriegsmittel in den 1990er Jahren weiter umfangreich ein. Das Problem: Auch nach Ende eines bewaffneten Konflikts blieben Minen gefährlich. Denn in der Regel wurden sie nicht geräumt. Minen-Splitterladungen töteten und verstümmelten daher tausende Zivilisten. Die 1999 in Kraft getretene Ottawa-Konvention über ein Verbot von Anti-Personen-Minen gilt daher bis heute als Meilenstein des humanitären Völkerrechts.
Dabei waren Landminen lange eine essenzielle Waffe für westliche Armeen; besonders für die Bundeswehr, als Frontarmee zum Warschauer Pakt. Minenfelder sollten helfen, im Fall eines Angriffs der UdSSR, deren Panzerlegionen zum Stehen zu bringen. Noch heute hat die Bundeswehr aus dieser Zeit mehr als 55.000 Panzerabwehrminen gelagert. Doch nach dem Kalten Krieg wurden Interventionseinsätze in schwache Staaten zur dominanten Form westlicher Kriegsführung. Hier boten Minen kaum einen Mehrwert. Sie verschwanden aus den Konzepten der Militärplaner.
Doch inzwischen setzen westliche Armeen wieder verstärkt auf die Minen-Waffe. Der NATO-Russland-Konflikt seit Moskaus Krim-Annexion ist dafür entscheidend. Gerade die osteuropäischen Allianz-Mitglieder fürchten folgendes Szenario: Mittels hybrider Vorbereitung wie durch Sabotage gegen Infrastruktur schafft sich Russland eine günstige Architektur des Schlachtfelds und greift dann massiv mit seinen Streitkräften an. Da wären Minenfelder bestens geeignet, um Truppen des Angreifers zustoppen und abzunutzen.
„Polens Militärs sind sehr unglücklich über die Beschränkungen der Ottawa-Konvention“ so Marek Swierczynski, Wehrexperte des Beratungsunternehmens Polityka Insight in Warschau. Die Ottawa-Konvention verbietet klassische Anti-Personen-Minen. Jene Typen richten sich nur gegen Menschen und werden „opferausgelöst“, wie es im Militärsprech heißt. Das bedeutet: Die Mine wird beispielsweise gezündet, indem jemand auf sie tritt, egal ob Soldat oder Zivilist. Zudem dürfen Minen laut der Konvention keinen Räumschutz haben, also keinen versteckten Auslösemechanismus. Solche dienen dazu, ein Räumen von Minenfelder durch den Gegner zu erschweren. Ottawa-Unterzeichner Polen erklärte erst im vergangenen Jahr, nun seine gesamten Bestände an solchen Anti-Personen-Minen vernichtet zu haben. Weiterlesen






