Die Karibik 2035 – Von der US-Küste kommend, strömen hunderte Tanker in Richtung Panamakanal und Atlantik, beladen mit Öl und Gas made in USA. Der Schiffsverkehr ist so dicht, dass die US-Navy seit Jahresbeginn verstärkt in der Seeregion patrouilliert – schließlich ist die Karibik, neben dem Persischen Golf, nun die wichtigste Exporttrasse für den globalen Energiehandel. Dieses Szenario ist noch fiktiv, aber wahrscheinlich. Denn die Weltmacht USA, jahrzentelang ein Netto-Importland von Energie, versorgen sich inzwischen fast vollständig selbst mit Gas und Öl.

US-Kriegsschiffe eskortieren einen Flüssiggastanker während einer Übung 2013 – Foto: U. S. Navy – Bryan Blair/ Medien Freigabe
In naher Zukunft wird die Weltmacht sogar zum bedeutenden Energie-Exporteur aufsteigen. Diesen fundamentalen Wandel ermöglicht die so genannte „Fracking Revolution“ – das Gewinnen von Gas und Öl aus Schiefergestein. Solche Gesteinsschichten mit Lagerstätten durchziehen weitläufig die USA. Die USA haben die Fracking-Technik (siehe letzter Absatz) optimiert und wenden sie nun im großen Stil an. Die Vorhersage der Internationalen Energieagentur: „Mitte der 2020er Jahre werden die Vereinigten Staaten zum weltgrößten Exporteur von Flüssigerdgas und wenige Jahre später auch zum Nettoölexporteur.“
„Energiedominanz ergreifen“
Dass die USA ihre kommende Rolle als Exportnation von Gas und Öl offensiv nutzen wollen, machen sie in ihrer neuen Sicherheitsstrategie vom Dezember 2016 deutlich. Die Ankündigung darin: Die Vereinigten Staaten wollen die „Energiedominanz ergreifen“ – so der Titel des entsprechenden Kapitels. Zwei Kalküle werden darin deutlich. Erstens: Die Selbstversorgerrolle macht die US-Wirtschaft robuster und damit krisenfester. Das passt bestens zum „America First“ Kurs eigener Stärke, den US-Präsident Donald Trump in der Außenpolitik verfolgt. Zweitens: US-Alliierte sollen durch Lieferungen Schützenhilfe erhalten gegen Staaten, die „Energie als Zwangsmittel“ nutzen. So können die USA ihre Bündnisse festigen. Das ist beispielsweise eine Chance für das US-Vorhaben, in Asien, vor der Haustür des Hauptkonkurrenten China, mehr Präsenz zu zeigen. Die wichtigen Partner Süd-Korea und Japan sind in Asien die größten Bezieher von verschifftem Flüssigerdgas, was künftig verstärkt aus den USA kommen könnte. Generell bringt die Exporteursrolle den Vereinigten Staaten die Chance, ihre großen Handelsdefizite mit anderen Nationen wie Deutschland abzubauen. Das die USA mehr importieren als exportieren, ist eine wirtschaftliche Schieflage, die US-Präsident Donald Trump unbedingt beseitigen möchte. Weiterlesen





