Freudings Aussicht auf Lenkwaffen, Rüstungsprobleme und Anderes

Heeresinspekteur Christian Freuding bei seiner Rede auf dem Parlamentarischen Abend des Förderkreises Heer am 7. Oktober in Berlin.

Heeresinspekteur Christian Freuding bei seiner Rede auf dem Parlamentarischen Abend des Förderkreises Heer am 7. Oktober in Berlin. Foto: Bundeswehr

Abseits der Meldung, dass das Heer „Low Cost Cruise Missiles“ beschaffen möchte, bot die Rede von Heeresinspekteur Christian Freuding beim jüngsten Parlamentarischen Abend des Förderkreis Heer noch andere interessante Inhalte.

Eine deutsche Multi-Domain Taskforce

Im Kontext der so genannten „Low Cost Cruise Missiles“ verdeutlichte Freuding, dass das Heer erstmals einen Komplex für strategische Lenkwaffen aufbauen möchte, mit dem es bis circa 1.500 Kilometer Tiefe Angriffe durchführen kann. So soll das US-Abschusssystem Typhon mit dem Marschflugkörper Tomahawk beschafft werden. Bei den US-Streitkräften bildet Typhon als „Mid-Range Capability“ das Element mittlerer Reichweite für die Lenkwaffenkriegsführung über den neuen Testverband der Multi-Domain Taskforces. Das Heer möchte bis 2035 eine eigene Multi-Domain Taskforce für die NATO aufbauen (siehe hierzu: „Zielvorstellung Heer 2035“ im Loyal-Magazin).

Schmaler Aufbau elektromagnetischer Kampf

Klar wurde auch, dass elektromagnetischer Kampf (EK) noch lange ein Defizit des Heeres bleiben wird. Die Ressourcen dafür liegen in den wenigen Bataillonen zur Elektronischen Kampfführung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum. Freuding postulierte hier schon zu Amtsantritt einen enormen Aufwuchsbedarf. Doch neue EK-Verbände im Heer kündigte Freuding laut Redemanuskript nicht an; dafür einen „Koffer EK verlegefähig“ für die Truppe. Dieser „KEver“ (kein Scherz) soll zumindest „eine Anfangsbefähigung zur elektromagnetischen Verteidigung erreichen“, so der Heeresinspekteur. Seine Zusammensetzung blieb unklar.

Mehr Pilotverbände für unbemannte Systeme

Mehr Klarheit gab es mit Blick auf die angekündigten Pilotverbände für unbemannte Systeme im deutschen Heer. Dies soll jeweils eine Kompanie des Jägerbataillons 91, des Panzerbataillons 414 und des Aufklärungsbataillons 7 sein. Das kommende Drohnenregiment bekommt die Nr. 10 (Divisionstrupp der 10. Panzerdivision). In diesem Regiment werden laut Freuding Luft- und Bodensysteme gebündelt. Bekannt ist, dass die NATO in den Brigaden künftig vier statt drei Kampfbataillone will. „Das wird perspektivisch ein unbemanntes Manöverelement sein“, so der Heeresinspekteur. Ziel sei „mehr Tödlichkeit“, nicht unbedingt der Ersatz von Personal oder existierender Systeme.

Zwei Schwächen des Heeres werden nicht thematisiert

Zwei große Schwächen des Heeres wurden in der Rede Freudings kaum und gar nicht thematisiert. So ist es den deutschen Landstreitkräften während fünf Jahren Ukraine-Krieg nicht gelungen, das Feldheer „Fight tonight“ zur mobilen Drohnenabwehr auszustatten. Hier sollen nun endlich rasch Zwischenlösungen am Markt beschafft werden. Die ersten Systeme sollen 2027 an die Panzerbrigade 45 in Litauen gehen. Doch ob das gelingt, ist weiterhin unklar. „Man arbeite hart daran“, so Freuding. Laut Hartpunkt soll wohl das Drohnenabwehrsystem GARMR von Diehl Defence ein Teil dieser Brückenlösungen zu Skyranger und Co sein. Auf die Lücke bei der bodengebundenen Luftaufklärung auf der Ebene Brigade/Division ging Freuding nicht ein. Stichworte: Verzögerung Husar, neue Wirktiefen.

Zum Wiederaufbau der Heeresflugabwehr gab der Inspekteur folgenden Ausblick: Anfang Dezember soll „das korallrote Fahnenband der Heeresflugabwehrtruppe wieder ausgerollt werden“. Ob das die Aufstellung eines ersten Flugabwehrbataillons in Lüneburg bedeutet? Dies war bisher für Herbst 2028 geplant. Die Erstausstattung wird mit dem (veralteten) leichten Flugabwehrsystem Ozelot erfolgen, dass von der Flugabwehrraketengruppe 61 der Luftwaffe kommen wird. Diese überlässt dem Heer ab 2028 vorgezogen auch zwei Feuereinheiten IRIS-T SLM. Die Divisionsebene erhält eigene Flugabwehrregimenter (Siehe hierzu: „Zielvorstellung Heer 2035“ im Loyal-Magazin).

Weiterhin keine kriegstaugliche Beschaffung im Heer

Freudings Ausführungen machten zudem deutlich, dass die Beschaffung der Bundeswehr weiterhin weit von Kriegstauglichkeit entfernt ist. Selbst bei marktverfügbaren Systemen dauere die Einführung über zwei Jahre, so der Inspekteur Heer. Auch das seit Jahren postulierte Fokussieren der Beschaffungsprozesse auf das Wesentliche wird offensichtlich nicht konsequent umgesetzt. Beispiele Freudings: Bei den Loitering Munitions wurde die Freigabe zunächst von einem „künstlichen Alterungstest“ abhängig gemacht, der zehn Jahre Lagerung simuliert. Beim Faltstraßengerät, laut Freuding „technisch ausgereift und militärisch erprobt“, wird trotzdem eine Anpassungsentwicklung unternommen. Was den Inspekteur ebenfalls irritiert: Seit 2020 arbeitet die Industrie an neuen Gefechtsständen, während die Truppe sich über Behelfskonstrukte längst annehmbare Lösungen geschaffen hat. Bei Munition würden Qualifikationen wiederholt, obwohl es seit 2023 möglich ist, die Qualifikation von NATO-Partnern zu nutzen. Paralleles Ablaufen lassen der Prozesse, ist für Freuding der zentrale Hebel, um bedeutend schneller zu werden. So laufe der Alterungstest bei der Loitering Munition weiter, während die Munition bereits genutzt wird.

Das Manuskript der Rede von Heeresinspekteur General Christian Freuding beim Parlamentarischen Abend des Förderkreis Heer (FKH) in Gänze beim FKH.

Kommentar verfassen