
Ein Mockup des Konzepts „Ravenstorm“ von Airbus – eine strategische Kampdrohne ohne US-Technologie. Sie soll elektronischen Kampf sowie die Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen leisten können. Foto: Björn Müller / ILA 2026
„Ein Haupttrend am Markt ist der große und weiterwachsende Bedarf an Tankflugzeugen“, so Jean-Brice Dumont, Bereichschef militärische Luftmacht bei der Verteidigungsparte von Airbus. Der Luft- und Raumfahrtkonzern habe 91 Bestellungen seines A330 MRTT von 19 Luftwaffen. Der Konzern arbeitet an einem A330 MRTT plus, der acht Prozent weniger Treibstoff verbraucht. „Da das Flugzeug denselben Treibstoff verbraucht, den es zur Luftbetankung transportiert, wird es effizienter. Es kann entweder mehr Kerosin abgeben, oder weiterfliegen“, so der Airbus-Manager. Weitere Projekte zur Erhöhung des Einsatzwertes: Ein Selbstverteidigungssystem, eine erhöhte Konnektivität für den Einsatz in einer künftigen Combat Cloud und die Entwicklung hin zu vollständig autonomen Luftbetankungsmanövern. Bei Transportflugzeugen ist Airbus dabei, die Mehrrollenfähigkeit des A400M zu erweitern. Ein Interesse von Luftstreitkräften ist es, den A400M künftig als „Mutterschiff“ für Drohnen oder Raketen einsetzen zu können. Die maximale Nutzlast des Transportflugzeugs soll von 37 auf 40 Tonnen angehoben werden. Zudem erhält der A400M eine modulare Ausstattung zum Löschflugzeug für den Transport von 20.000 Litern Löschwasser.
Eurofighter soll zum „Command Fighter” für Drohnen werden
„Bei Kampfjets gibt es einen zentralen Wunsch der Kunden: die schnelle Einsatzfähigkeit ihrer Jets“, so Jean-Brice Dumont. Kontext dazu ist, dass die NATO-Luftwaffen mit Eurofightern diese zu fast hundert Prozent für die Air Policing Missionen der Allianz nutzen. Deren zentrales Element ist ein verzugsloser Start, um Flugobjekte rasch abfangen zu können, die unberechtigt in den Luftraum des Bündnisgebiets eindringen. „Die größte Herausforderung beim Eurofighter ist es, diesen zum ‚Command Fighter‘ in einer künftigen Combat Cloud zu entwickeln“, laut Luftkampf-Planer Dumont. Ausgangspunkt dafür ist die Integration des „Litening 5“ Pods zur „Teamfähigkeit“ des Kampfjet, die in diesem Jahr erfolgen soll. Dieser Pod stammt vom israelischen Rüstungsunternehmen Rafael. In der Folge sollen Drohnen über die Litening 5 Technologie mit dem Eurofighter verbunden werden. 2029 soll dieser dann als Command Fighter mehrere Drohnen einsetzen können. Dieser Verbund würde wiederum in ein künftiges Luftkampfsystems der 2040er-Jahre eingefügt.
Um bei der Jagdbomber-Drohen der Bundeswehr zum Zuge zu kommen, setzt Airbus auf US-Technologie
Für ein Luftkampfsystem will Airbus die Entwicklung zweier strategischen Drohnen vorantreiben – der U740 Valkyrie und der U760 Ravenstorm. Erstere basiert auf der Drohne Kratos des gleichnamigen US-Unternehmens, das diese Drohne seit 2019 entwickelt. Mit Kratos ist Airbus eine Partnerschaft eingegangen, „um schneller zu sein“, so Dumont. Denn dieses Rüstungsprojekt zielt auf den Bedarf einer Jagdbomberdrohne der Bundeswehr, welche die Bundeswehr schon 2029 haben möchte. Über das Projekt Ravenstorm soll dagegen langfristig eine souveräne europäische Kampfdrohne kommen, also eine die frei von US-Technologie ist. Laut Dumont wird Ravenstorm eine strategische Multifunktionsdrohne. Sie soll in ihrer Endstufe, je nach Mission, eine der folgenden Fähigkeiten dienen: Elektronischer Kampf, Bekämpfung von Luft- sowie von Bodenzielen. Die Geschwindigkeit ist noch unklar. Die Ravenstorm soll etwas weniger Nutzlast als die Valkyrie tragen – 500 statt 600 Kilogramm. Auch die Reichweite wird mit rund 1000 Kilometern deutlich geringer ausfallen als bei der Valkyrie. Deren Basismodel Kratos ist mit mehr als 5.500 Kilometern für die extremen Weiten eines Kriegsschauplatzes Indopazifik ausgelegt. Dort wollen die US-Marines die Drohne Kratos im Kriegsfall mit China über ihre F35 Kampfjets einsetzen können. Für die Verbindung von Kampfjets und Drohnen, auch für autonomes Operieren in einer Combat Cloud, arbeitet Airbus an einer Software namens „Mars“. Dieses Missionssystem soll auch in der Valkyrie mit US-Technik eine souveräne Einsatzführung gewährleisten. Neben der Weiterentwicklung der Luftkriegsführung will Airbus zudem in den Wachstumsmarkt der Drohnenabwehr einsteigen. Dazu läuft das Vorhaben U680 Bird of Prey – ein Verbund von Radarbodenstationen mit Feuereinheiten von Abfangdrohnen, die autonom Massenangriffe von „Kamikazedrohnen“ zerschlagen sollen.
Eurodrohne neues Konfliktfeld mit Dassault
Auch setzt Airbus weiterhin auf das stark verzögerte Projekt Eurodrohne. Deren Programm wurde 2016 gestartet, der Erstflug der Multifunktionsdrohne ist nun für 2029 anvisiert, so Airbus-Luftkampfplaner Jean-Brice Dumont. Die Eurodrohne soll zuvorderst eine europäische Aufklärungsdrohne der MALE-Klasse verfügbar machen. Bisher müssen europäische Armeen auf externe Lösungen setzen. So nutzt die Bundeswehr die israelische Drohne Heron-TP als Brückenlösung bis zum Zulauf der Eurodrohne. Um diese entwickelt sich scheinbar eine weitere Auseinandersetzung zwischen Airbus und Dassault, dem französischen Industriepartner für die Eurodrohne. Vor Kurzem wurde bekannt, dass Frankreich bis 2035 keine Mittel zur Beschaffung der Drohne zur Verfügung zu stellt. Es muss in seinem angespannten Wehretat priorisieren. Laut Dumont ist Frankreich mit seiner Industrie aber weiterhin Partner des Programms. „Das Nationen ihre Bestellungen verschieben, ist nichts Außergewöhnliches bei Rüstungsprojekten“, so der Airbus-Manager. Laut HARTPUNKT wurde jedoch zwischenzeitlich der deutsche Konzern Liebherr von Airbus in das Programm Eurodrohne aufgenommen, für Arbeitsanteile, die bisher Dassault bedient. REUTERS berichtet, das Dassault nun Kompensation von Airbus fordert.
Rasante Drohnenentwicklung setzt Kampfjet der 6. Generation unter Druck
Mit Blick auf eine neues Programm für einen Kampfjet der 6. Generation äußerte Dumont: „Dessen Entwicklung in Auslegung und Design wird durch die rasante ‚Drohnisierung‘ unter Druck gesetzt“. Das rasante Voranschreiten der Drohnen-Technologie verändere die Möglichkeiten und Bedarfe eines Luftkampfsystems sehr schnell und umfassend, so der Rüstungsmanager. Ein Luftkampfsystem aufzubauen, sei herausfordernd, aber alternativlos für Europas Luftwaffen. Deshalb würde ein Future Combat Air System FCAS sicher umgesetzt. Das soeben gescheiterte trilaterale Programm Next Generation Fighter NGF für ein FCAS zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien sei keine Verschwendung gewesen. Die Industrie habe in dessen Verlauf von acht Jahren wichtige Technologien vorangetrieben, die auch einem Folgeprojekt zugutekommen. „Die sieben Säulen des NGF müssen nun neugestaltet werden; wie genau, ist noch zu früh zu sage“, so Dumont.



