Produktion Gepard-Munition: Norweger warten auf Daten aus Deutschland

Ein Soldat bringt Munition zu einem Gepard der rumänischen Armee bei einem Gefechtsschießen von NATO-Verbänden in Polen 2021 – Foto: Staff Sgt. Elizabeth Bryson / DVIDS US armed forces

Deutschland hat die Ukraine seit Ende Juli mit 30 Gepard-Flugabwehrpanzern ausgestattet. Mitgeliefert wurden jedoch nur 59.000 Schuss scharfe Munition nebst 4.000 Schuss Übungsmunition laut der offiziellen Liste „Militärische Unterstützungsleistungen für die Ukraine“. Eine Herstellung der 35-mm-Gepardmunition unterhält die Bundeswehr nicht mehr, da sie den Flakpanzer vor mehr als zehn Jahren ausgephast hat. Der deutsche Wehrkonzern Rheinmetall verfügt über seine Tochter RWM Schweiz AG über eine 35-mm-Geschossproduktion. Jene ist wegen der Neutralität der Schweiz für den Ukraine-Beistand jedoch nicht verfügbar.

Das Verteidigungsministerium in Berlin hoffte, zumindest deutsche Munitionsrestbestände, die unter Reexportvorbehalt der Schweiz stehen, weiterzureichen, was diese nicht genehmigte. Ebenso fruchten keine deutschen Vorstöße, Munitionsabgaben der Gepard-Nutzer Brasilien und Katar – die ebenfalls von einer Schweizer Freigabe abhängen – an, nicht am Krieg beteiligte Drittstaaten zu organisieren, deren Reglements dann den Export in die Ukraine erlauben sollten.

Entscheidend wäre, eine neue Munitionsproduktion aufzuziehen. Dafür setzt das Verteidigungsministerium auf Norwegen, dessen halbstaatlicher Rüstungskonzern NAMMO eine Produktion für die Oerlikon-Zwillingskanone des Gepard unterhält. Bis dato jedoch nur für Übungsmunition. Allerdings hängt auch dieser Ansatz. Die Rückmeldung des NAMMO-Pressesprechers Thorstein Korsvold auf meine Anfrage nach dem Stand der Dinge im O-Ton samt Bullet Points:

  • Nammo certainly has industrial the capacity to make 35mm rounds.
  • Nammo would be willing to look at options to produce for the Gepard system.
  • However, to ensure perfect compatibility, there is some technical information we need from the various German parties. Until that is in place, production cannot start.
  • We have not received this; there have been no sales, no orders, and no formal requests.

Vor Kurzem verkündete Rheinmetall die Übernahme des spanischen Munitionsproduzenten EXPAL. Gepard-Munition könne dieser zukünftig produzieren, ließ sich Rheinmetall Vorstandschef Armin Papperger im Handelsblatt zitieren. Allerdings verfügt EXPAL bis dato noch über keine Produktionslinie für 35-mm-Munition. Das Unternehmen hat seine Schwerpunkte in Bereichen wie Artillerie-Geschossen. Eine rasche Lösung für das Munitionsproblem der Ukraine-Geparden ist der EXPAL-Deal somit nicht. Zumal es in der Pressemitteilung von Rheinmetall dazu heißt: „Der Vollzug der Transaktion, für die ein Closing bis Sommer 2023 angestrebt wird, steht unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher und sonstiger regulatorischer Prüfungen.“

 

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