Heute vor 35 Jahren: Gründung des Golfkooperationsrates

Die USA würden ihn gerne aufwerten, um die überreizte Geopolitik ihres Alliierten Saudi-Arabien zu beruhigen; deutsche Diplomaten sehen das Bündnis als essenzielle Plattform für einen Abbau der Konfrontation zwischen Iran und den Golfmonarchen. Die Rede ist vom Golfkooperationsrat, der bedeutendsten Regional-Allianz im Mittleren Osten, gegründet heute vor 35 Jahren. Aus diesem Anlass der Hinweis auf „Der Golfkooperationsrat – Allianz der negativen Solidarität“. Der Beitrag aus dem pivotarea-Archiv erläutert den Charakter des Bündnisses – den Zweck die Allianz, die Interessen der Alliierten und was sie spalten kann.

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Wichtiger Partner für die USA: Chuck Hagel, damals US-Verteidigungsminister, bei einem Treffen des Golfkooperationsrates 2014 – Foto: US Department of Defense by Erin A. Kirk-Cuomo

Die Idee des „verrückten Mullahs“: 100 Jahre Sykes-Picot-Abkommen

Wie das „Sykes-Picot-Abkommen“ zustande kam und bis heute als Erklär-Mythos für die Probleme des Nahen- und Mittleren Ostens wirkt:

Ein Mann, den seine Kollegen „verrückter Mullah“ nennen, betritt  an einem Dezembermorgen 1915 Downing Street 10, den Sitz des britischen Premiers in London. Der 36 Jahre alte Unterhausabgeordnete Mark Sykes hat sich einen Namen als Orient-Experte gemacht. Die Karte, die Sykes an diesem Morgen dem Kriegskabinett präsentieren wird, prägt den Nahen und Mittleren Osten bis heute. Der Anlass für Sykes Einladung: Die britische Regierung steht unter Druck, Frankreich ein Angebot zu machen, wie das Osmanische Reich, Verbündeter des Kriegsgegners Deutschland im I. Weltkrieg, zwischen beiden Mächten aufgeteilt wird.

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Das Sykes-Picot-Abkommen war Geopolitik nach Gutsherrenart: Blau für Frankreich, Rot für Großbritannien – Foto: Royal Geographical Society / CC-Lizenz / Wikipedia

Triebfeder des Abkommens: Frankreichs Angst

Die Franzosen sind nervös. Zu Beginn des Krieges erfahren sie von britischen Plänen einer Zangenoffensive gegen die Osmanen. Mit einer Landung in der West-Türkei bei Gallipoli soll zugleich eine im Osten bei Alexandretta erfolgen, dem heutigen türkischen Iskenderun. Die Hafenstadt liegt an strategischer Nahtstelle am Mittelmeer, wo heute die Türkei und Syrien zusammenstoßen. Die Angst in Paris: Großbritannien, das schon Ägypten besitzt, will sich im gesamten Osmanischen Reich festsetzen. Erst 1912 haben sich die Franzosen von London die Versicherung geholt, dass die Briten an Libanon und Syrien kein Interesse haben; gerade dort hat Frankreich viel Kapital investiert. Frankreich torpediert die Doppeloffensive der Alliierten gegen die Osmanen, die Landung findet nur in Gallipoli statt. Außerdem macht die französische Diplomatie Druck: Eine Aufteilung der Einflusssphären im Orient soll nun schon vor Kriegsende erfolgen. Weiterlesen

Zwei Jahre kein Piraten-Angriff vor Somalia – welchen Sinn hat noch ATALANTA?

Am kommenden Donnerstag, dem 12. Mai, steht im Bundestag die Entscheidung an, ob das ATALANTA-Mandat der Bundeswehr erneut verlängert wird. Die Marine-Operation am Horn von Afrika ist so etwas wie das Aushängeschild der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Auslöser der Mission war 2008 die grassierende Piraterie vor Somalia. Regelmäßig  hatten somalische Piraten Handelsschiffe gekapert und deren Besatzungen als Geiseln genommen.

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Bald wieder erfolgreich? Somalische Piraten – Bild: Jason R. Zalasky / Wikipedia / CC-Lizenz

Seitdem kreuzt ein Flottenverband der EU vor Somalia mit zwei Hauptaufgaben. Erstens: ATALANTA-Kriegsschiffe eskortieren UN-Transporte mit Hilfsgütern für die Menschen in Somalia. Zweitens sollen Piratenüberfälle in dem Seegebiet verhindert werden. Die Strategie dafür: Präsenz und Kontrollen auf dem Meer sollen die Piraten abschrecken und deren Operationsräume einschränken. Das Lagebild heute: die Piraterie vor Somalia ist de facto nicht mehr vorhanden Sebastian Fischborn, Sprecher im Einsatzführungskommando der Bundeswehr für maritime Einsätze: „Der letzte Angriff im Seegebiet datiert auf den Februar 2014.  2015 hat es also  keinen einzigen Piratenangriff mehr im Einsatzgebiet am Horn von Afrika gegeben, verglichen mit 176 im Jahr 2011. Und deshalb werten wir auch die Mission ATALANTA als eine sehr erfolgreiche Mission.“

EU-Marinemission: nicht das effektivste Mittel gegen Somalias Piraten

Wenn es keine Piratenangriffe mehr gibt, muss die Frage gestellt werden, inwieweit ATALANTA noch Sinn macht, beziehungsweise, wie die Marineoperation künftig aussehen soll.  Schließlich ist nicht nur die Deutsche Marine mit anderen Aufgaben bereits an der Grenze der Belastbarkeit. Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion hat da eine klare Position: „Zum Kampf gegen Piraterie ist dieses Mandat kaum mehr notwendig. Und deshalb ist es gut, wenn jetzt schon im Mandat steht, dass es zu überprüfen ist, umgewandelt wird, oder, vielleicht noch besser, ganz ausläuft.“ Weiterlesen