Der Widerspruch in Frankreichs neuer Sicherheitsstrategie

Frankreich hat in einer „Revue Stratégique“ seine Sicherheitspolitik an die Änderungen seit 2013 angepasst, als das letzte Weißbuch zum Thema erschien. Als wertigsten Aufschlag des Werks sehen Experten die starke Betonung von multilateralen Kooperationen, wie die l’Initiative européenne d’intervention (IEI). 

Bei der Lektüre der Revue zeigt sich aber, dass der Betonung sicherheitspolitischer Kooperation, doch wieder das klassische Paradigma von Frankreich als autonomer Militärmacht vorgelagert ist. Siehe Seite 54: „Pour la France, l’autonomie stratégique repose sur un socle politique et comprend deux piliers : un haut degré d’autonomie industrielle et technologique d’une part, et les moyens d’une autonomie opérationnelle d’autre part.“ So fällt mit Blick auf das geplante Großprojekt deutsch-französischer Kampfjet auf: Zahlreiche dafür wichtige Bereiche wie Sensorik, Luft-Luft-Flugkörper oder Führungssysteme klassifiziert die Revue als „souveräne“ Entwicklungsfelder (siehe Seite 69). Dieselben Felder benannte auch die Bundesregierung als „nationale Schlüsseltechnologien“ in ihrem „Strategiepapier zur Stärkung der Verteidigungsindustrie in Deutschland“ von 2015 (siehe Seite 4). 

Volltext „La Revue Stratégique“

Volltext „Strategiepapier der Bundesregierung zur Stärkung der Verteidigungsindustrie in Deutschland“

Wie die Bundeswehr den Landkrieg der Zukunft gewinnen will

Irgendwo im Baltikum 2026 – Im Tiefflug jagen Tiger-Kampfhubschrauber der Bundeswehr über die Landschaft und attackieren russische Panzerverbände, um deren Vorstoß zu verzögern. Wenige Kilometer hinter dem Kampfgeschehen surren Drohnen der Bundeswehr-Pioniere über eine Ebene und platzieren Anti-Panzerminen.

Diese Szenen stammen aus keinem Roman, sondern aus dem Bundeswehr-Thesenpapier „Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?“. Es umreißt aus militärfachlicher Sicht, wie das deutsche Heer ausgerüstet sein müsste und kämpfen sollte, um ab 2026 in Landkriegen gegen einen „gleichwertigen Gegner“ zu siegen. Auch wenn Russland nicht namentlich als Kontrahent genannt wird, sind dessen militärischen Fähigkeiten („der Gegner verfügt über ein engmaschiges Netz weitreichender Luftverteidigungssysteme mit der Reichweite 400 Kilomter plus“) offensichtlicher Bezugspunkt der Bewaffnungs- und Operationskonzepte in „Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?“.

Cover von "Thesenpapier - Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?"

Cover Bundeswehr Thesenpapier „Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?“

Verfasst wurde die Analyse von einem nicht näher benannten Autorenteam aus dem Heereskommando unter Leitung von Generalleutnant Frank Leidenberger. Jenem untersteht als Kommandeur der militärischen Grundorganisation auch das Amt für Heeresentwicklung, das für die militärische Innovation bei Deutschlands Landstreitkräften zuständig ist. Weiterlesen

Sicherheitspolitik 2017 – Die Meinung der Franzosen

Das französische Verteidigungsministerium holt sich über eine jährliche Umfrage die Stimmungslage der Franzosen in Sachen Sicherheitspolitik ein. Vor Kurzem erschien „La Défense – Dans l’opinion des Francais 2017″. Hier die wesentlichen Aussagen der Erhebung im Überblick:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eurokorps#/media/File:Eurocorps_prise_d%27armes_Strasbourg_31_janvier_2013_32.JPG

Projekte europäischer Wehrintegration, wie das Eurokorps, interessieren die Franzosen wenig – Foto: Claude Truong-Ngoc / Wikipedia / CC-Lizenz

Massive Wirkung der Terroranschläge des IS: Noch 2013 war die größte Sorge der Franzosen, der Verlust des Arbeitsplatzes; satte 50 Prozent sahen das so. Inzwischen teilt sich die Arbeitslosigkeit Platz 1 mit dem Terrorismus (beide 31 Prozent / Terrorismus 2013 bei nur vier Prozent). Weiterlesen