Corona-Pandemie: Die Probleme der Marine

Zurzeit ist von fünf Marine-Angehörigen bekannt, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sind, so ein Sprecher der Teilstreitkraft. Bis jetzt hat die Marine noch die Ambition, trotz der Corona-Pandemie, alle Einsatzverpflichtungen aufrecht zu erhalten – von Einsätzen sowie einsatzgleichen Verpflichtungen, über NATO Verbände bis zu Übungen und Manövern. Die Führungsfähigkeit soll gesichert werden, indem Dienststellen-Personal auf Abruf ins Homeoffice geschickt wird – quasi in eine Präventivquarantäne. So will die Marine Reserven für ihre Stäbe haben, sollten dort Corona-Fälle auftreten.

Fregatte Hamburg

Die Fregatte Hamburg soll im Mai zu einer Mission in den Indischen Ozean aufbrechen – Foto: U.S. Navy / Wikipedia

Das große Problem für die Marine wird es sein, die Einsatzfähigkeit in der Corona-Pandemie langfristig zu erhalten. Eine Ausdünnung wie bei den Stäben ist bei den „Truppe“ – den Mannschaften der Seeeinheiten – nicht möglich, ohne dass die Einsatzfähigkeit dahin wäre. Hier bleiben der Marine nur die gängigen Eindämmungsmaßnahmen wie durch verstärkte Hygiene und das auch nur eingeschränkt. Ein Arbeiten auf Distanz ist auf Kriegsschiffen und Co. nicht machbar.

Besonders problematisch mit Blick auf die Corona-Pandemie: Marine-Schiffe müssen vor Einsätzen über Monate eine aufwendige Vorbereitung durchlaufen. Mit zahlreichen Personalrotationen und langen Ausbildungsabschnitten auf See*. Dieses Verfahren, das für die Optimierung der Kampfbereitschaft ausgelegt ist, erschwert jedoch die Resilienz gegen eine Virus-Pandemie. Die Einschleppungsgefahr der Virus-Erkrankung lässt sich in der Vorbereiung zum Einsatz kaum valide minimieren. Das erhöht zudem die Gefahr, dass Corona erst im Einsatz ausbricht. Dann wären eine Quarantäne und der Abbruch der Mission unumgänglich. Die Marine prüft, inwieweit die Ausbildung reduziert werden kann. Doch ein vertretbares Einsparpotenzial dürfte gegen null gehen, denn es geht um Kernkompetenzen für die Einsätze. So durchlaufen Schiffseinheiten die Schadensabwehr- und Gefechtsdienstausbildung, „SAGA“ genannt. Hier muss die Besatzung zeigen, dass sie trotz Bränden, technischen Ausfällen sowie Verletzten und Toten, das Schiff beherrscht. Die SAGA dauert mindestens drei Wochen. Bei Fregatten kommen dazu etwa 25 Ausbilder und Prüfer an Bord. Weitere Ausbildungen finden zudem bei Partnerstreitkräften wie der Britischen Marine mit multinationalen Ausbilder-Gruppen statt und dauern noch länger.

Schon jetzt leidet die Einsatzfähigkeit. Wegen eines Corona-Verdachtsfalls ist die Besatzung des Tender Mosels bis Ende März in Quarantäne. Das Versorgungsschiff kann erst zwei Wochen später als geplant in den Einsatz gehen. In den laufenden Einsätzen gilt laut der Marine: In Auslandshäfen dürfen die Besatzungen nicht mehr das Schiff verlassen. Da in den meisten Ländern inzwischen eine zweiwöchige Einreisequarantäne gilt, werden Personalwechsel im Einsatz zwei Wochen vorgezogen.

 

* Mehr dazu, wie Schiffe der Deutschen Marine kampfbereit gemacht werden in diesem Beitrag von Fregattenkapitän Bastian Fischborn auf pivotarea.

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