Sicherheitspolitik 2017 – Die Meinung der Franzosen

Das französische Verteidigungsministerium holt sich über eine jährliche Umfrage die Stimmungslage der Franzosen in Sachen Sicherheitspolitik ein. Vor Kurzem erschien „La Défense – Dans l’opinion des Francais 2017″. Hier die wesentlichen Aussagen der Erhebung im Überblick:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eurokorps#/media/File:Eurocorps_prise_d%27armes_Strasbourg_31_janvier_2013_32.JPG

Projekte europäischer Wehrintegration, wie das Eurokorps, interessieren die Franzosen wenig – Foto: Claude Truong-Ngoc / Wikipedia / CC-Lizenz

Massive Wirkung der Terroranschläge des IS: Noch 2013 war die größte Sorge der Franzosen, der Verlust des Arbeitsplatzes; satte 50 Prozent sahen das so. Inzwischen teilt sich die Arbeitslosigkeit Platz 1 mit dem Terrorismus (beide 31 Prozent / Terrorismus 2013 bei nur vier Prozent).

Die größte Bedrohung sehen die Franzosen in terroristischen Attentaten (79 Prozent); gefolgt von urbanen Unruhen (29 Prozent). Auf Platz 3 folgt die Gefahr eines biologischen- oder chemischen Angriffs mit 26 Prozent. 

Wo die Franzosen die primären Bedrohungen der Interessen ihres Landes verorten: Hier läuft der Nahe- und Mittlere Osten den klassischen französischen Domänen Nordafrika und Sahelzone den Rang ab. 85 Prozent votieren für die erstgenannte Krisenregion. Nordafrika und Sahelzone liegen beide mit circa 40 Prozent auf Platz 2. Russland als Bedrohung Nummer Eins folgt mit rund 30 Prozent erst auf Platz 3. 

Die Auslandseinsätze erfreuen sich durchweg breiter Zustimmung. Die Operationen gegen den IS in Syrien und im Irak genießen Zustimmungsraten von beinahe 90 Prozent. Am unteren Ende der Skala rangieren die Militäreinsätze in der Sahelzone; denen immerhin noch fast 60 Prozent der Franzosen zustimmen.

Das Image der Streitkräfte profitiert vom Anti-Terror-Kampf: Bei der aktuellen Umfrage stimmen 70 Prozent der Franzosen der Aussage zu, dass die Qualität ihrer Soldaten Hauptmerkmal der Streitkräfte der Republik ist. Ein Wert, der von 56 Prozent 2014 stetig angestiegen ist. Bemerkenswerter Kontrast dazu sind die Äußerungen französischer Militärexperten in den Medien. Diese beklagen, dass durch die seit 2015 laufende Anti-Terror-Operation im Inland, „Sentinelle“, zuviel wertiges Training ausfalle; die militärische Qualität der Armee-Einheiten dadurch sinke.

Im Kontext des Haushaltsdefizits votieren 82 Prozent der Befragten für die Option, das Wehrbudget „beizubehalten oder zu erhöhen“.

Die erste Priorität der Franzosen in Sachen „Europäsicher Verteidigungspolitik“ ist laut Erhebung eine intensivere Lastenteilung der Europäer bei Auslandseinsätzen wie in der Sahelzone (54 Prozent). Die Bildung EU-gemeinsamer Streitkräftestrukturen sehen nur circa 15 Prozent als vorrangig wichtig an. Für Wehrexperten wichtige Aspekte wie gemeinsame Beschaffung, Ausbildung und Standards sowie eine Konsolidierung der Rüstungsindustrie rangieren bei unter zehn Prozent. 

Die gesamte Erhebung (auf Französisch).

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