Korea-Konflikt: Neupositionierung Chinas angedacht

Interessante Position zum Korea-Konflikt: Für den chinesischen Historiker-Doyen Shen Zhihua ist Nordkorea nicht mehr länger ein natürlicher Verbündeter Chinas sondern de facto ein Feindstaat. Aus einer von der New York Times in Auszügen veröffentlichten Rede Zhihuas: „The root cause of the ever-worsening crisis on the Korean Peninsula is that North Korea has gone nuclear and is constantly holding nuclear tests, and that’s also the fundamental cause of instability on China’s periphery. But North Korea has been doing this for the sake of its fundamental interests. So, putting it objectively, the fundamental interests of China and North Korea are at odds“. Bis jetzt sorgt Nordkoreas Wert als Pufferstaat gegen die USA / Südkorea dafür, dass Peking weiter auf eine Allianz mit Pjöngyang setzt. Auch wenn Zhihua nicht direkt darauf zu sprechen kommt, betont er eine andere Realität: Nordkoreas militärisch aggressive Außenpolitik macht es immer mehr zum Störer der geopolitischen Meta-Strategie Chinas. Jene zielt darauf ab, das „Reich der Mitte“ als politischen Stabilitätsanker Asiens zu etablieren, dass im Staatenkranz seiner Anrainer als anerkannte Ordnungsmacht wirkt. Die „Nibelungentreue“ Pekings gegenüber Pjöngyangs wird diesem Kerninteresse immer hinderlicher.

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Das geteilte Korea – Grafik: Johannes Barre / Wikipedia / CC-Lizenz

Für Zhihua hätte Peking die Stationierung des THAAD-Raketenabwehrsystems der USA in Südkorea, als Reaktion auf Nordkoreas Raketentests, gutheißen sollen, statt sie zu verurteilen. Damit habe China eine Chance verpasst, Nordkorea in seine Schranken zuverweisen und sich gleichzeitig Südkorea anzunähren. In diesem Kontext aus der Rede: “By doing this we’ve alienated public opinion in South Korea, and in dealing with a democracy, the most important thing is to win over public sentiment and opinion. … What we’ve been doing is just what the Americans and North Koreans want most of all. The North Koreans are also overjoyed, because the result of all this uproar over Thaad is that Chinese-South Korean relations have ruptured.”

Dass die Zhihua-Rede in China öffentlich ist und debattiert wird, werten die US-Presse (weiterer Beitrag dazu im The National Interest) und Experten, wie SWP-Wissenschaftler Hanns W. Maull, als Indiz dafür, dass China möglicherweise einen Wechsel seiner Nordkorea-Politik erwägt, die Pjöngyang die politische Rückendeckung entzieht.

Klar ist, dass sich der Korea-Konflikt nur substanziell lösen lässt, wenn es zu einem konstruktiven Interessenausgleich der USA und Chinas in Asien kommt, in dessen Folge China meint, auf einen militär-strategischen Pufferstaat Nordkorea verzichten zu können. Eine solche „Kondominium-Lösung“ zwischen beiden Weltmächten ist aber nicht in Sicht. Beide setzten auf Eindämmungsstrategien gegen den anderen. Schon der vorherige US-Präsident Barack Obama wollte mit einem großen Freihandelsabkommen der Pazifikstaaten China öknomisch einhegen und die militärische Bedeutung der USA in Asien aufwerten. Sein Nachfolger Donald Trump gab den ökonomischen Teil diese Strategie auf, erhöhte jedoch massiv den US-Wehretat. Besonders die für Machtprojektion in asiatisch-pazifischen Raum entscheidende US-Marine soll stark aufwachsen. China wiederum fährt im Inselstreit im Südchinesischen Meer eine agressive Strategie der vollendeten Tatsachen, indem es Seeareale mit künstlichen Inseln besetzt. In seiner „Seidenstraßen-Initiative“ zur politisch-ökonomischen Durchdringung Eurasiens ist kein Platz für us-amerikanische Interessen. 

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