Seebataillon wird vollständig in die Niederländische Marine integriert – heißt es zumindest

Die verstärkte Kooperation zwischen Deutscher und Niederländischer Marine – kommende Woche wird dazu ein „Letter of Intent“ beider Verteidigungsministerien erwartet. Als Vorabinfo dazu: Das Seebataillon der Deutschen Marine wird bis 2018 vollständig in die niederländische Marine integriert. Eine entsprechende Roadmap ist Bestandteil der Willenserklärung der Wehrressorts beider Länder, so die Deutsche Marine gegenüber dem Autor.

Nachtrag: Folgt man der SHZ in einem aktuellen Beitrag zum Seebataillon, wird die angekündigte „Integration“ eher eine intensivere Kooperation zwischen der deutschen und niederländischen Marineinfanterie. Das heißt vor allem, die Deutschen üben mehr bei den Holländern mit, die Kenntnis in amphibischer Kriegsführung haben. Deren Korps Mariniers gibt es bereits seit 1665. Eine Verlegung des Seebataillons nach Holland wird es nicht geben und schon gar nicht eine Eingliederung in die Streitkräfte der Niederlande.

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vdL beim Seebataillon in Eckernförde – Foto: Helwin Scharn / Flickr / CC-Lizenz


Zum Aufbau amphibischer Fähigkeiten für die Bundeswehr:

Inzwischen ist klar, dass die zwei lange in der Planungen gehaltenen Joint-Support Schiffe (JSS) endgültig von der Flottenliste gestrichen wurden. Siehe hierzu: Thomas Wiegold / augengeradeaus!. Statt dessen soll die amphibische Fähigkeit multinational entwickelt werden. Auf kurze Sicht ist wohl eine Mitnutzung des niederländischen JSS „Karel Doorman“ durch die Bundeswehr vorgesehen. Langfristig plant die Bundeswehr anscheinend, mit dem holländischen Partner noch zwei Joint-Support Schiffe anzuschaffen. Siehe hierzu: Christian Thiels / tagesschau.de. Man darf gespannt sein, ob die gemeinsame Nutzung der „Karel Doorman“ wirklich militärisch effektiv wird. Holland und Deutschland haben völlig unterschiedliche Mandatierungsmechanismen für Einsätze. In Deutschland müssen Einsätze vor Beginn vom Bundestag genehmigt werden; in den Niederlanden informiert die Executive die Legislative lediglich. Siehe hierzu die SWP-Studie von Christian Mölling und Alicia von Voss.

Nachtrag: Vor Kurzem verlud das Joint-Support-Schiff der Niederländer, die „Karel Doorman“, erstmals Leopard-Panzer der Bundeswehr bei einer Übung – der Blog „Hart Steuerbord“ zeigt Bilder.

Noch zwei Sideinfos zu weiteren Planungen der Deutschen Marine:

Die Joint-Support Schiffe sind von der Flottenliste verschwunden. Dafür könnten dort perspektivisch wieder „kleinere Schiffseinheiten“ landen, ergab eine Nachfrage des Autors bei der Deutschen Marine. Diese erklärte, dass die kleineren Schiffstypen in den letzten Jahren stark reduziert wurden; für die strategische Sicherung der Ostsee seien diese aber wichtig. Erste Konzepte sind derzeit in der Entwicklung. Präziser wollte die Marine leider nicht werden. Mir fallen dazu als Erstes Schnellboote ein. Dass daran gedacht ist, eine Schnellbootflottille neuer Generation aufzubauen wurde vonseiten der Marine aber strikt verneint. Vielleicht weiß ein Leser dazu mehr bzw. hat eine Idee und möchte sich in den Kommentaren dazu äußern, was mich freuen würde.

Zudem geht die Marine-Leitung davon aus, dass sie zurzeit und in den nächsten Jahren nicht alle Kriegsschiffsbesatzungen in gleicher Qualität ausbilden kann. Der Grund dafür: zu viele Einsätze, sodass nicht mehr alle Einheiten den gesamten Zertifizierungszyklus bis zu vollumfänglich „Combat ready“ durchlaufen. Dazu ein Zitat des Marineinspekteurs, Vizeadmirale Andreas Krause, aus seiner Rede bei der Historisch-Taktischen-Tagung zu Beginn des Jahres:

„Und in der Ausbildung sehen wir uns mit einer zunehmenden Schere konfrontiert. Einer Schere zwischen dem Anspruch das „High End“ ausbilden zu wollen, aber gleichzeitig unsere Schiffe und Boote für die Einsätze und einsatzgleichen Verpflichtungen zu benötigen. Uns stehen für die Einsätze einerseits und die erforderliche Ausbildung andererseits schlicht zu wenige Einheiten zur Verfügung. Die Ursachen hierfür kennen Sie. Der verspätete Zulauf der Fregatten Klasse 125, die Fähigkeitsanpassung der Fregatten Klasse 123, die Hardwareregeneration bei den Fregatten der Klasse 124 und die Außerdienststellung der Fregatten der Klasse 122. Das alles bei zunehmenden Einsatzverpflichtungen!
Kurzfristig – und damit meine ich die nächsten drei bis fünf Jahre – werden wir nicht umhin kommen, die Ausbildung nicht in jedem Falle und für jede Besatzung bis zum „high end“ durchzuführen. Für den Einsatz in der Operation SOPHIA muss eine Besatzung nicht zwingend beim FOST gewesen sein. Wenn aber die Lage im Einsatzgebiet SOPHIA eskalierten sollte, dann müssen wir eine solche, nicht vollausgebildete Besatzung auch abziehen. Das ist das Preisschild.“

Bei Interesse, hier die gesamte HiTaTa-Rede des Marineinspekteurs.

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